Ausstellung „Dennoch Rosen“

Nur noch am Wochenende ist die Ausstellung "Rote Rosen" in der offenen Marienkirche zu sehen.

Von Dietmar Pohl

Sie offenbart ihren Charme erst auf den zweiten Blick, die Ausstellung der Friedensbibliothek aus Berlin. In den 80-er Jahren in einer Ostberliner Kirchgemeinde gegründet, waren Ende 2016 bereits 2.336 Ausstellungen durchgeführt worden mit ca. 4.6 Millionen Besuchern. Vielleicht war es ja zunächst dem Mangel an Druck- und Kopiertechnik in der DDR geschuldet, dass alle Texte (immer noch) mit Hand geschrieben werden, mit prägnanten, etwas klobig wirkenden Buchstaben. Das unterstützt die thematischen Anliegen, die wider das Vergessen wirken, indem sie dunkle Momente deutscher Geschichte dokumentieren, aber auch den Widerstand einzelner dagegen.    Sicher kann man Rose Ausländer nicht als Widerstandskämpferin bezeichnen, aber wenn man erfährt, dass sie zwischen 1941 und 44 das Czernowitzer Getto in einem Kellerversteck überlebte, quasi mehr als 1000 Tage in Dunkelhaft verbrachte, dann sind ihre Gedichte Signale der Hoffnung: „Dennoch Rosen – sommerhoch – Schmetterlinge – Möwenschwingen überm Fluss. Nein – ich vergesse nicht die eingebrannten Jahre – ich vergesse nicht – dass Stiefel den Regenbogen zertraten – dass sie sich rüsteten – uns zu verwandeln in Feuerrosen Feuerfalter Feuerschwingen – und dennoch sommerhoch – der Duft – die Doppelflügel überm Fluss – das Gold auf meiner Haut – und die toten Rosen – nach der Nacht“. (Abschrift aus Ausstellung)    Wie unbeschwert habe ich diesen Sommer Blumen fotografieren dürfen, teilweise mit Schmetterlingen, und wie farblos erscheinen mir meine Bilder im Vergleich zu diesen Worten! „sommerhoch“ kann man nicht fotografieren, und ein anderes Gedicht, „Warum“, löst jedes Mal aktuelle Bilder in meinen Gedanken aus. Wer es nicht mehr in die Ausstellung schafft, der lese in den Büchern der 1980 in Westdeutschland verstorbenen Rose Ausländer.    Übrigens wird noch im August eine neue Ausstellung zu sehen sein über Franz Stock. 1904 in Westfalen geboren, wurde er Priester und war Teil einer Bewegung, die sich um Aussöhnung mit dem französischen Volk bemühte. Während der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg war er als Seelsorger in den Pariser Wehrmachtsgefängnissen tätig und rettete manchen Gefangenen. Französische Widerstandskämpfer nannten ihn „L'Archange en enfer“, den Erzengel der Hölle. Der viel geehrte Deutsche starb nur 44-jährig.    Zwei weitere Ausstellungen, u.a. von der IG-Mahnmal organisiert, werden dieses Jahr folgen. Ich glaube, solche Dokumentationen bezeugen gerade in unserer Kirche eindrucksvoll, wie Menschen aus der Kraft des Glaubens und in der Hoffnung auf Menschlichkeit zu leben vermögen. So wird neben der gottesdienstlichen Verkündigung der frohen Botschaft am Sonntag auch die ganze Woche über gepredigt: in Bildern, Gedichten, Geschichten. „Wort an Wort“: Wir wohnen Wort an Wort – Sag mir dein liebstes – Freund – meines heißt – DU. Rose Ausländer (Abschrift aus Ausstellung) Anregungen zu weiteren Ausstellungen nehmen wir gerne entgegen.

Dietmar Pohl ist Pfarrer in Großenhain